-->

Über die unfreiwilligen Haustiere der Schweizer — einen Aff haben

  • Wenn der Kater zum Affen mutiert
  • Wir erhielten eine E-Mail mit folgendem Satz:

    (…) ging ich ins Au Premier und hatte ein Fondue zum Nachtessen, nur der Fendant hatte Zapfen. Anschliessend hatte ich einen Aff.

    Zugegeben, der Satz war künstlich zusammengestellt aus Helvetismen um unser Sprachvermögen zu testen. Und tatsächlich, da war plötzlich ein Tier aufgetaucht, das wir so noch nicht kannten in der Schweiz: Den „Aff“. Na klar, das ist ein Affe, dem ist nur der Endungsvokal abhanden gekommen.

    Diese Art der Kurzfassung ist weltweit beliebt. „Ich hab dich gern“ statt „ich habe dich gern“. In der Arabischen Sprache nennt man dieses Weglassen der Endungsvokale beim Sprechen übrigens „Pausa-Sprechen“, geschrieben werden Vokale sowieso nicht, nur im Koran oder um Zweifelsfällen zu vermeiden ist es üblich, mit Vokalzeichen anzudeuten, ob ein „u“, „i“ oder „a“ gemeint ist. Ein „o“ oder „e“ haben die Araber in der Schrift nicht. Mohammed ist heisst eigentlich Muhammad. Die Schweizer sprechen auch gern Pausa und schlucken nicht nur den Endungsvokal, sondern noch eine ganze Menge Flüssigkeit dabei.

    Unser Mailschreiber hatte also nach dem Genuss eines Fendants mit Zapfen (vgl. Blogwiese) plötzlich ein Haustier, ein exotisches noch dazu, nämlich einen Affen.
    Haben Sie auch einen Affen?
    (Foto hotzeltopf.de)

    Ganz so verbreitet scheint dieses Schweizer Haustier dann doch nicht zu sein, jedenfalls nicht in verschrifteter Form. Ein Ironie liebender Schweizer mit deutlichem Mundaufsperr-Syndrom schrieb:

    Aber ich hatte nach einer halben Flasche Bauchweh 🙂 Mein „Freund“, ( 🙂 ) würde ich mal sagen, da ich es nicht genau wusste, hatte bestimmt einen „Aff“ 🙂 Der trinkt so viel…
    (Quelle: Kidscat.ch)

    Später erfuhren wir noch diese Geschichte per Mail:

    Als [meine Frau] klein war, wurde regelmässig gesagt, dass der Nachbar letzte Nacht wieder mit einem Aff nach Hause gekommen sei. Da haben die Kinder, wenn die Wohnungstüre der Nachbarwohnung mal offen war, schnell hineingeschaut, ob ein Affe drin sei…

    So langsam ahnten wir, was es mit dem „Affen haben“ bei den Schweizer so auf sich hat. Und letzte Gewissheit verschafft uns das vielseitige Züri-Slängikon beim Stichwort „betrunken sein

    eine sitze haa, eis a de Fichte ha, eis am Sänder ha, eis am Sänder haa, eis am Tee haa, en Aff, en Atomsiech, en Balari haa, en Balloon haa, en Hammer, en Knick i de Optik, en Lumpe im Gsicht ha
    (Quelle: zuri.net)

    Da war er, der Aff, haben Sie ihn gesehen? Zwischen Tee, Ballon und Hammer versteckt.
    Es findet sich diese Redewendung zur Bestätigung auch ganz offiziell auf Dialektwoerter.ch

    (en) Aff ha = betrunken sein
    (Quelle: dialektwoerter.ch)

    Was folgern wir daraus? Die Kater in der Schweiz, die fangen ganz klein an als Affen, und mutieren dann in der Nacht still und heimlich vor sich hin zu männlichen Katzen. Oder sie verschwinden ganz.

    

    8 Responses to “Über die unfreiwilligen Haustiere der Schweizer — einen Aff haben”

    1. Max Says:

      siehe auch Bedeutung 6 unter http://de.wiktionary.org/wiki/Affe

      Keine Ahnung, ob die ein Schweizer dazugefügt hat 🙂 Ich dachte eigentlich, dass es sich um ein typisches Dialektwort handen würde.

    2. myl Says:

      Es gibt noch einen ganz andere Bedeutung von „en Aff ha“:

      Der Aff war nämlich mal Bestandteil der militärischen Ausrüstung und bezeichnet einen Fell-Tornister.
      vgl. hier mehr dazu:
      http://www.freischar.de/dokumente/Z3-03affe.pdf

      Ob und wie man von diesem Aff zum anderen Aff eine Brücke schlagen könnte, entzieht sich leider meiner Kenntnis…

    3. züpf Says:

      @myl:

      Es gibt da schon eine Verbindung zwischen dem Tornister-Affen und dem Alkohohl-Affen.
      In beiden Fällen hat man (ev. zuviel) ‚geladen‘, bzw. trägt Zusatzgepäck mit sich rum.

    4. HP Says:

      Ich (Berner) habe diesen Ausdruck noch nie gehört. Scheint eher auf die Region Zürich beschränkt zu sein. „Ä Siech ir Bire ha“ ist typisch bernerisch. Ich weiss nicht ob Jens den Begriff „Siech“ schon näher erörtert hat. Auch darüber könnte man Bücher schreiben:-)

    5. Phipu Says:

      Zum letzten Abschnitt: Die Tiere verschwinden nicht immer ganz, sie können im Gegenteil ganz grosse Dimensionen annehmen, wie in diesem Beispiel:
      Der Schluckspecht, der mit einem Aff Pferdestärken dressiert, muss nicht nur den Kater ertragen, sondern bekommt es auch mit den Bullen zu tun.

    6. sylv Says:

      Der Ausdruck ‚uf em Aff sy‘ kenne ich als Beschreibung für einen Drogenabhängigen der auf kaltem Entzug ist ( cold turkey)

      Wir sagen zudem auch ‚eine UF em Sänder ha‘ und nicht ‚am‘ wie in ZH:

      Last but not least, meine Familie und Freunde sagen oftmals ‚ er het e Moudi heibracht‘ um jemanden zu beschreiben der zu viel getrunken hat.
      ( Moudi BE= Kater)

      grüessli
      sylv

    7. myl Says:

      @züpf

      So gesehen – gute Erklärung – merci 🙂

    8. Peter Gloor Says:

      HP:
      Auch im Aargau hat man einen Aff, wenn man einen Siech oder einen Baloon hat.
      Peter

    Leave a Reply